Rezept

Für dieses Genussfest habe ich mich der Unterstützung und Kochkünste zweier Herrschaften versichert, des vielfach bewährten René Neusser und des Preisträgers für Kunst und Kultur der Stadt Salzburg, Arthur Zgubic. Meister auch der FKK* (wann schreibstn dein erstes Kochbuch?), präsentiert Arthur uns diese winterliche Köstlichkeit mit der folgenden Liebeserklärung:
»Triestiner Jota«
Ein altes traditionelles Suppenrezept mit Sauerkraut, Bohnen und Schweinsfleisch
„Jahrzehntelang bleibt Triest ein blinder Fleck, ein »Mauerblümchen« auf der Karte touristischer Erkundungen, bestenfalls ein Geheimtipp für Nostalgiker auf der Suche nach einer versunkenen Welt mit k. u. k. Charme – ein Habsburg-Wien am Meer. Oder: Literaturleidenschaftliche wandeln auf den romantischen Wegen von Rainer Maria Rilke, andere lesen in den Kaffeehäusern (die besten im sonst auch nicht armen Italien!) im Ulysses von James Joyce, der hier entstand. Oder: Naturbegeisterte queren die spröde Schönheit des Karst, die eigenwillige Landschaft des Hinterlandes.
Heute ist Triest eine junge, weltoffene Stadt für Genießende eines mediterranen und urbanen Lebensgefühls – modern, selbstbewusst und im Wissen um seine reiche Geschichte und Kultur.
Aber auch Rezepte können von der bewegten Historie einer Region erzählen. So spiegelt die Küche von Triest die vielfältige kulinarische Geschichte wider, die sowohl von der balkanischen als auch von der deutschen und österreichischen Tradition beeinflusst ist.
Also: Welches typische Gericht steht für die »Seele« von Triest? Nun,Triest ist eine Hafenstadt, also vermutet man wohl irgendetwas mit »Frutti di Mare« – vielleicht eine spezielle Fischsuppe? Oder doch eine Pasta mit …? Risotto mit …?
Alles irgendwie nicht falsch gedacht. Aber die Antwort ist – eine Suppe namens »Jota«! Die Hauptzutaten: Bohnen, Erdäpfel, geselchte Schweinsripperl und reichlich Sauerkraut! Also weniger italienisch geht`s wohl nicht! Und der Name »Jota» bedeutet in der Übersetzung aus dem Lateinischen nichts anderes als »matschige Brühe«! Tja, klingt nicht sonderlich kulinarisch einladend!
Und dennoch, auf den zweiten Blick erschließt sich die Besonderheit: Dieses Gericht spiegelt den Kreuzungspunkt der Kulturen wider! Eine Suppe, die ihre Zutaten und Aromen aus dem gesamten Nordosten der italienischen Halbinsel sammelt und dabei auch die Grenzen nach Österreich, Slowenien und Kroatien überschreitet.
Seit vielen Jahrhunderten schon köchelt diese Suppe in den Töpfen von Friaul-Julisch Venetien, mit Zutaten, die haltbar gemacht werden durch unterschiedliche Techniken des Konservierens: fermentierter Kohl, geräuchertes Fleisch, getrocknete Bohnen … Bauernschlaues Know how, noch bevor es Tiefkühler und Kühlschrank gab. Faszinierend!
Diese Suppe ist ein Gedicht! So rustikal simpel die Zutaten klingen, so geschmacklich fein überrascht die Jota am Gaumen. Machen Sie sich doch selbst an die Töpfe und nehmen Sie sich viel Zeit, denn je länger die Suppe auf kleiner Flamme simmert, desto reicher entfalten sich die Aromen. Entdecken Sie, wie sich aus einfachen Zutaten eine wahre Delikatesse zaubern lässt. Gute Reise!“
* Feine Koch-Kunst
4 Personen
- 700 g Sauerkraut
- 300 g getrocknete rote Bohnen, alternativ Borlotti- oder Käferbohnen
- 4 speckige Kartoffeln (ca. 400 g)
- 2 Lorbeerblätter
- 1 mittelgroße Knoblauchzehe
- 4 einzelne frische Schweinsrippchen (ca. 1/2 kg)
- 100 g geräucherter Speck
- 25 g Schmalz
- 2 EL Mehl 00 oder 0
- 1,5 l Gemüsebrühe
- 5 EL natives Olivenöl extra
- Salz, Pfeffer und ein Zweig Petersilie.
Die Bohnen am Abend zuvor in kaltem Wasser einweichen. Am nächsten Tag die eingeweichten Bohnen gründlich abspülen. Dann in einem großen Topf bei mittlerer Hitze mit der gesamten Gemüsebrühe und den Lorbeerblättern ca. eine Stunde kochen.
In einem Topf mit hohem Rand zwei geschälte und leicht zerdrückte Knoflzechn im Scheineschmalz anbraten. Knoblauch entfernen, wenn er goldbraun ist, dann Sauerkraut hinzufügen und mit heißem Wasser knapp überdecken. Mit Salz und Pfeffer gefühlig würzen und bei sehr schwacher Hitze zugedeckt ca. eine halbe Stunde simmern lassen. Darauf achten, dass das Sauerkraut nicht vollständig austrocknet.
Kurz bevor die Bohnen eine Stunde lang gekocht haben, in einer Pfanne die Schweinsripperln und den geräucherten grob gewürfelten Speck mit zwei Esslöffeln Öl bei starker Hitze kurz anbraten und dann zu den Bohnen geben. Bei schwacher Hitze weitere 15 Minuten kochen lassen.
Danach die geschälten und gewürfelten Erdapferln in die Bohnen-Rippen-Suppm geben und weitere 20 Minuten kochen lassen. Wenn die Suppe fertig ist, zwei Schöpflöffel Brühe mit Bohnen entnehmen und im Mixer pürieren. Dieses Püree in die Bohnensuppe geben und das heiße Sauerkraut hinzufügen. Alles sorgfältig mischen.
Für die Einbrenn in einer kleinen Pfanne 3 Esslöffel Öl mit einer Knoblauchzehe erhitzen. Wenn der Knofel leicht gebräunt ist, aus dem Öl nehmen und das gesiebte Mehl hinzufügen. Mit einem Schneebesen beständig umrühren, um Klumpenbildung zu vermeiden. Die Mehlmischung ist fertig geröstet, wenn sie Haselnussfarbe angenommen hat.
Dann die Einbrenn unter Rühren in die Suppe geben und sicherstellen, dass sie sich vollständig auflöst. Die Suppe heiß servieren, mit Pfeffer und etwas gehackter Petersilie bestreuen!“
An guatn!
Arthur Zgubic